Goldsuche & Goldwaschen Rumänien
Größtes europäisches Goldvorkommen entdeckt
In Rumänien könnte in einigen Jahren das größte und wohl umstittenste Goldbergwerk Europas entstehen. Eine kanadisch-rumänische Firma arbeitet seit fünf Jahren an der Vorbereitung - trotz anhaltender Proteste von Umweltorganisationen, des Nachbarlandes Ungarn - und trotz fehlender Betriebsgenehmigung.
Rund um das Gebirgsdorf Rosia Montana, mitten in den Westkarpaten, will die Rosia Montana Gold Corporation (RMGC) von 2007 an binnen 17 Jahren vier Hügel abtragen und das Gold mit hochgiftigem, potenziell umweltschädigendem Zyanid aus dem Gestein waschen. Ob das Vorhaben starten kann, hängt von einer Betriebsgenehmigung des Umweltministeriums in Bukarest ab.
Die Betreiber von RMGC erklären, dass sie modernste Technologien verwenden würden, nach EU-Standards. Der Zyanid-Schlamm sollte erst in offene Deponiebecken gelangen, nachdem der Giftgehalt durch neutralisierende Zusätze so weit verringert wurde, dass er unter den EU-Grenzwerten liegt. RMGC will 331 Tonnen Gold und 1600 Tonnen Silber fördern und dafür 500 Millionen US-Dollar investieren. 550 Arbeitsplätze sollen entstehen. Gemessen an seinen Reserven wäre Rosia Montana europaweit das größte Goldbergwerk, sagt Professor Rainer Slotta, Direktor des Deutschen Bergbaumuseums in Bochum.
RMGC gehört zu 80 Prozent der kanadischen Firma Gabriel Ressources, die in Kanada eigens für das Goldminen-Projekt in Rosia Montana gegründet wurde. 19.3 Prozent hält der rumänische Staat über die Gesellschaft Minvest, den Rest besitzen private Teilhaber. Die Firma hatte 1999 vom rumänischen Staat die Konzession für die Goldförderung bekommen. Inzwischen hat sie die Grundstücke vor Ort gekauft. Etwa die Hälfte der 1800 Dorfbewohner sind bereits umgezogen, nachdem RMGC ihnen die Häuser abgekauft hat. Mit den übrigen wird noch verhandelt, heißt es.
Umweltschützer wie Greenpeace warnen vor der Zyanid-Technik. Im Nachbarland Ungarn herrscht Angst, weil im Jahr 2000 nach einem Deichbruch in einer anderen rumänischen Goldmine Flüsse verseucht wurden. Im grenznahen Baia Mare ergoss sich Zyanid-Schlamm aus einem Auffangbecken unter anderem in den ungarischen Abschnitt der Theiß, wo Flora und Fauna Jahre brauchten, um sich zu erholen.
In Rumänien protestierten Bürgervereine, Kirchen und die Rumänische Akademie wegen Gefahr für Umwelt, Landschaft und archäologische Schätze. Denn Rosia Montana ist eine fast 2000 Jahre alte Goldmine, die im 2. Jahrhundert nach Christus eine der wichtigsten Goldquellen des Römischen Reiches war. Den Bedenken hält die Gold-Corporation entgegen, dass die Region durch jahrtausendelangen Bergbau ohnehin geschädigt sei. Ihre Technik sei umweltfreundlicher.
April 2005
Goldgewinnung seit der Bronzezeit
Seit der Bronzezeit bis in die Gegenwart wird im Siebenbürger Erzgebirge Goldbergbau betrieben. Die wichtigsten Reviere liegen noch heute in einem Gebiet, das sich durch ein ungleiches Viereck umgrenzen läßt und dessen äußere Ecken die Städte Offenbanya (Offenburg/Baia de Aries), Zalatna (Zlatna), Nagyag (Sacarimb) und Krsbanya (Baia de Cris) bilden. Rege Betriebsamkeit herrschte besonders unter den Römern; sie nannten diese goldreiche Provinz Dakien. Gegen Ende des 9. Jahrhunderts eroberten Ungarn das Land. Ab 1141 wurden deutsche Bergleute ins Land geholt. Mehrmals wechselte das Land seine Herrschaft; erst nach dem Ersten Weltkrieg wurde Siebenbürgen Rumänien zugeschlagen. Von 1919 bis 1932 galt das Land als zweitgörter Golderzeuger Europas, fiel aber 1933 an die dritte Stelle zurück.
Hier eine Übersicht der wichtigsten Bergbauorte: Groß-Schlatten (Abrudbanya, Abrud), Klein-Schlatten (Zalatna, Zlatna), Verespatak (Rosia Montana), Bucsum (Bucium), Altenburg (Krsbanya, Baia de Cris), Brad, Boitza (Boicza, Baita), Groastdorf (Nagyag, Sacarimb), Offenburg (Offenbanya, Baia de Aries), Botes, Vulkoj-Karabia, Ruda (Ruda-Barza), Felsbanya (Baia Sprie), Nagybanya (Baia mare), Kapnik, Illoba, Telkibanya.
- Alt
- Aranyos (Aries)
- Maros
- Krs
- Bistritz (Bistrita)
- Gran
- Abrud
- Rosia
- Zzamos
- Göllnitz
- Hernad
- ferner im Thebeatal (Czebe) bei Caraciu.
Zeitungsbericht vom August 2002
Im rumänischen Rosia Montana soll inmitten einer ohnehin belasteten Region Europas größtes Zyanid-Goldbergwerk entstehen. Ein dubioses Konsortium ist schon dabei, die Einwohner umzusiedeln. Unklar ist die Rolle des Umweltministeriums.
Für Mihaela Lazarescu ist eins klar: "Goldbergbau mit Zyanid geht nicht ohne Umweltverschmutzung." Deshalb müsse Rosia Montana zwangsläufig zu einer ökologischen Bombe werden. Die Bukarester Bauingenieurin und Ökologin gehört zu den führenden rumänischen Experten für Bergwerke und Bergbaurückstände. Ihre Befürchtungen beziehen sich auf ein ehrgeiziges Projekt, für das die Vorbereitungen in Rumänien derzeit auf Hochtouren laufen: In Rosia Montana im westrumänischen Apuseni-Gebirge, nicht weit von verschiedenen Nationalparks, soll Europas größtes Zyanid-Goldbergwerk entstehen.
Mehr als achthundert Familien und ihre Häuser müssen dafür umgesiedelt werden, weil der Boden unter ihnen ein Gramm Gold pro Tonne Erdreich enthält. Auf 21 Quadratkilometern sollen insgesamt 225 Millionen Tonnen Erde bewegt und mit jährlich 5.000 Tonnen Zyanid behandelt werden. 400 Millionen US-Dollar will das rumänisch-kanadische Konsortium Rosia Montana Gold Corporation investieren. Der zu erwartende Gewinn nach 17 Jahren: 300 Tonnen Gold und 1.600 Tonnen Silber.
Die Region ist ein traditionelles Bergbaugebiet für Schwer- und Edelmetalle und für seine Umweltschäden bekannt. Hier lagern hunderte Millionen Tonnen giftiger Klärschlämme und Abraum - Hinterlassenschaften der staatlichen rumänischen Gold- und Kupfer-Bergbaugesellschaft Minvest Deva.
Ein Blick auf die Unternehmen, die das Konsortium bilden, lässt daran zweifeln, dass Umweltschutz bei ihnen Priorität hat: Der rumänische Partner ist die Minvest Deva, aus Kanada beteiligt sich die Firma Gabriel Resources Ltd. Gründer und zehnprozentiger Anteilseigner der Rosia Montana Gold Corporation ist Vasile Frank Timis, der Anfang der 70er-Jahre aus Rumänien nach Australien auswanderte und dort zweimal, 1990 und 1994, wegen Heroinbesitz und -handel zu hohen Geldstrafen verurteilt wurde.
Neben Timis gehört auch der südafrikanische Gold-Bergbau-Experte Mike Steyn zum Management des Rosia-Montana-Projektes. Er kommt von der südafrikanischen Firma Gold Fields Ltd., die im Oktober letzten Jahres einen schweren Zyanidunfall im westafrikanischen Ghana verursacht hatte. Steyn hatte dort die Umsiedlung von 20.000 Menschen geleitet.
In Rosia Montana haben bereits 80 Familien haben ihre Häuser an die Rosia Montana Gold Corporation verkauft. Bürgermeister Virgil Narita sieht "kein Problem" in dem Projekt. In Erinnerung an den Ort werde ein Museum errichtet, sagt er lapidar. Unfälle könnten jederzeit überall geschehen, und für Ökologie sei nicht er, sondern das Umweltministerium zuständig.
Im rumänischen Umweltministerium hält man sich bedeckt. Es gebe keine Genehmigung für das Projekt, heißt es. Nicolae Stanca, Exekutivdirektor des Konsortiums, kontert: Die Firma habe für alle bisherigen Aktivitäten wie Bohrungen und Probeschürfungen auch Umweltgenehmigungen erhalten. Stanca wird wütend, wenn das Gespräch auf rumänische Umweltschützer und auf die Organisation Greenpeace kommt, die eine Protestkampagne gegen das Bergwerk begonnen haben. "Das sind eine Hand voll Leute, die niemanden repräsentieren und vom Bergbau keine Ahnung haben. Wir verwenden ausländische Technologie, da passiert nichts."
Wie es um den Bergbau in Rumänien tatsächlich steht, darüber hat das rumänische Umweltministerium nach dem Unfall von Baia Mare im Januar 2000 Inventur geführt: Mehr als hundert hochgefährliche Lagerstätten mit Zyaniden, Schwermetallen und anderen giftigen Klärschlämmen gibt es im Land. In Baia Mare flossen 100.000 Kubikmeter zyanidhaltige Abwässer in die Theiß und die Donau. Auch danach kam es zu mehr als einem Dutzend ähnlicher Unfälle. Der schwerste geschah im Januar 2001 in der ostrumänischen Stadt Falticeni, als Zyanidrückstände aus undichten Behältern einer Chemiefabrik flossen. 72 Menschen erkrankten danach durch den Verzehr von toten, zyanidverseuchten Fischen aus dem Fluss Siret.
In Baia Mare selbst hat sich nach dem Unfall fast nichts geändert, bemängeln dortige Umweltschützer. Allein die Dämme des etwa 60 Hektar großen Zyanidbeckens am Stadtrand wurden verstärkt. Schon knapp neun Monate nach dem Unfall lief die Goldproduktion wieder auf vollen Touren - mit Genehmigung des rumänischen Umweltministeriums. Immer noch, so die Umweltschützerin Edit Pop von der lokalen Nichtregierungsorganisation Assoc, käme es am Stadtrand von Baia Mare regelmäßig zu kleineren Zyanidausflüssen, weil die Rohrleitungen zwischen Becken und Aufbereitungsfabrik veraltet seien.
Geändert hat sich freilich der Name, unter dem das passiert: Die rumänisch-australische Unglücksfirma Aurul benannte sich Ende letzten Jahres in Transgold um. Es ging um mehr als nur darum, einen Namen mit schlechtem Image loszuwerden: Bisher konnte die Firma dadurch den Entschädigungsprozess verzögern, den das vom Unfall schwer betroffene Ungarn gegenwärtig gegen Aurul/Transgold führt.
Von Keno Verseck, erschienen in der Tageszeitung “taz”, Nr. 6840 vom 30.8.2002
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